Sascha Ruf setzt beim OFV ein Zeichen...


Nach einem Jahr mit mehr Tiefen als Höhen hat der Trainer des abgeschlagenen Tabellenschlusslichts der Oberliga Baden-Württemberg verlängert. Die Planungen für nächste Saison laufen beim Offenburger FV zweigleisig…

Zum Abschluss eines „sehr anstrengenden Jahres“, das einer Achterbahnfahrt der Gefühle für Mannschaft, Verantwortliche und Fans des Offenburger FV glich und in dessen zweiter Hälfte der Traditionsverein von der Badstraße eher für weniger erfreuliche Schlagzeilen sorgte, gibt es vom abgeschlagenen Schlusslicht der Fußball-Oberliga doch noch Positives zu vermelden. Denn der OFV hat den Vertrag mit Cheftrainer Sascha Ruf trotz des wahrscheinlichen Abstiegs in die Verbandsliga über das Saisonende hinaus verlängert. „Wir sind sehr zufrieden mit Saschas Arbeit und froh, dass wir den gemeinsamen Weg ligaunabhängig weitergehen“, ist Stefan Klein erleichtert, diese wichtige Personalfrage über die Feiertage geklärt haben zu können. „Ich wollte ein Zeichen setzen und den Spielern damit auch eine Perspektive und Planungssicherheit für die kommende Runde geben“, begründet Ruf, warum er das sportlich zu sinken drohende Schiff nicht verlässt. Der 37-jährige Sport- und Englischlehrer am Offenburger Oken-Gymnasium ist seit 2017 Teil der OFV-Familie, zunächst als Spieler, dann als Co.-Trainer und seit 2022 als Chefcoach.

Mit dem Ziel, sich in der Oberliga zu etablieren, sind Ruf und Co. im Sommer – getragen von der Euphorie eines dank einer überragenden Rückrunde mit 25 Punkten kaum noch für möglich gehaltenen Klassenerhalts – in die Vorbereitung auf die zweite Oberliga-Saison nach dem Aufstieg 2022 gestartet. Doch davon ist die Mannschaft mit einer mageren Bilanz von sieben Punkten nach 19 von insgesamt 34 Spielen meilenweit entfernt. „Wir sind zwar Optimisten, aber der Klassenerhalt wird ganz schwierig. Wir hätten allerdings nichts dagegen, planen aber für die Verbandsliga“, stuft Stefan Klein angesichts von aktuell 14 Punkten und 36 Toren Rückstand auf den wohl rettenden 13. Tabellenplatz die Situation realistisch ein. Eine Aussage, die auch Sascha Ruf unterstreicht: „Alles andere wäre naiv.“

Doch wie kam es dazu, dass die Mannschaft, die in der Rückrunde der Vorsaison begeisterte und das baden-württembergische Fußball-Oberhaus aufmischte, in der neuen Runde bislang überhaupt nicht in Tritt kommt? „Es kam einiges zusammen. Für den OFV funktioniert die Oberliga nur, wenn auf allen Ebenen alle Rädchen ineinandergreifen. Das war in der Hinrunde leider nicht der Fall“, hat Ruf das zurückliegende halbe Jahr analysiert – ein Überblick.

Großer Umbruch: Fünf Spieler haben den OFV im Sommer verlassen. „Gerade der Abgang von Noah Hirth hat wehgetan. Mit Dennis Kopf ist aber auch Erfahrung verloren gegangen“, erklärt Sascha Ruf, der insgesamt elf Neuzugänge zu integrieren hatte. „Bis auf Jannik Schwörer waren das alles sehr junge Spieler, die sich teilweise erst an das Oberliga-Niveau gewöhnen mussten.“ Doch gerade diese jungen Akteure wie Loris Pajaziti, Jakob Distelzweig oder Maik Wichmann mussten früh mehr Verantwortung als ursprünglich geplant übernehmen.

Lange Ausfallliste: Die erste Hiobsbotschaft erreichte die Mannschaft unmittelbar vor dem Vorbereitungsstart, als sich die Verletzung von Kapitän Louis Beiser-Biegert aus der Endphase der Vorsaison als Kreuzbandriss herausstellte. „Das war ein echter Brocken für uns. Sein Fehlen in unserem jungen Team hat man im Verlauf der Hinrunde enorm gemerkt“, gibt Ruf zu, der auch auf weitere Routiniers wie Markus Feger, Jonas Pies, Jannik Schwörer, Nicolas Pfrimmer oder Luca Kehl mehrere Spiele verzichten musste oder noch immer muss. Auf der langen Ausfallliste sind zudem Maximilian Leist, Max Distelzweig, Simon Leopold, Dimitrios Tsolakis, Luca Repple, Moritz Bandle, Jean-Gabriel Dussot und kurz vor der Winterpause mit Jacob Harter (Kreuzbandriss) auch noch der stärkste OFV-Spieler der Hinrunde zu finden. „Ob verletzt, krank, aus beruflichen, privaten oder Studiengründen – die Stammspieler haben zusammen insgesamt 18 Spiele gefehlt. So kamen wir nie in einen Rhythmus und waren immer wieder zum Improvisieren gezwungen. Das hat dann einfach nicht mehr gereicht, phasenweise waren wir nicht konkurrenzfähig“, nimmt Ruf kein Blatt vor den Mund, obwohl er bekräftigt: „Wir haben beispielsweise gegen Göppingen (1:1), Mutschelbach (1:1) oder Pforzheim (4:4) tolle Willensleistungen gezeigt. Gefühlt gibt der Punktestand nicht unsere wahre Leistung wieder. Wir hatten oft das Pech am Fuß.“

Unrühmliche Abgänge: Zu allem Überfluss musste die personell ohnehin gebeutelte Mannschaft drei unerwartete Abgänge hinnehmen. Torwart Jonas Witt verabschiedete sich kurz vor dem Trainingsauftakt im Sommer per Whatsapp. „Zum Glück haben wir mit Lion Wellnitz schnell einen jungen Nachfolger gefunden“, ist Ruf froh um den Neuzugang, der eigentlich als Backup für Stammkeeper Alexandre Nagor geholt wurde. Doch da sich auch Nagor Anfang November spontan verabschiedete, um sich in seiner elsässischen Heimat einen neuen Verein zu suchen, hat Wellnitz bereits sechs Einsätze auf dem Buckel und wird als Nummer 1 in die Rückrunde gehen. Den unrühmlichsten Abgang legte jedoch bereits nach dem ersten Saisonspiel Stephane Dzikang Njike hin, der mit seinen zehn Treffern großen Anteil am Klassenerhalt in der Vorsaison hatte. Der im Sommer von einigen Regionalligisten umworbene 19-jährige Kameruner, den Ruf in zahlreichen Gesprächen zu einem Verbleib an der Badstraße bewegt hatte, wurde nach drastischem Fehlverhalten und Entgleisungen im Training zunächst suspendiert und dann aus dem Verein geworfen. „Sportlich war das natürlich ein großer Verlust, aber sein Verhalten war inakzeptabel, wir hatten keine Wahl“, will Ruf nicht näher ins Detail gehen.

Unruhe im Umfeld: Doch nicht nur innerhalb der Mannschaft gab es Störfeuer, Unruhe herrschte auch auf der Führungsebene. Denn Präsident Norbert Großklaus legte sein Amt, zumindest vom Zeitpunkt her überraschend, wenige Wochen vor der Mitgliederversammlung, nieder. Der 64-Jährige führte die schwierige Suche nach einem neuen Hauptsponsor sowie die vergebliche Suche nach potenziellen Nachfolgern für vakante Vorstandsposten als Gründe an. „Das trifft uns schon – gerade in einer Zeit, in der es sportlich nicht läuft“, gab der spielende Co.-Trainer Marco Petereit nach dem Rücktritt des Präsidenten unmittelbar vor dem wichtigen Derby gegen den SV Oberachern zu.

Der Knackpunkt: Und genau dieses mit Spannung erwartete Derby im Karl-Heitz-Stadion am 21. Oktober war symptomatisch für den bisherigen Saisonverlauf und sollte so etwas wie der Knackpunkt für den OFV werden. Bis zur 90. Minute führte das Tabellenschlusslicht dank eines Petereit-Treffers mit 1:0 und steuerte in Überzahl auf den ersehnten ersten Sieg seit Ende August zu, doch mit drei Treffern in der Nachspielzeit stellten die Gäste die Partie noch auf den Kopf. „Das war der nächste Nackenschlag, wir hatten das Spiel gefühlt schon gewonnen“, erinnert sich Ruf: „Ein Derbysieg hätte uns Aufschwung gegeben. Stattdessen war viel Psychologie in zahlreichen Gesprächen gefragt.“

Ausblick: Auf das erste positive Signal mit der Formierung eines neuen Vorstandteams im November, folgte nun mit der Vertragsverlängerung von Trainer Sascha Ruf das nächste. Bleibt die Frage, wie es mit OFV-Urgestein Marco Petereit weitergeht. „Er wird – wie schon vor der Saison angekündigt – kürzertreten. Wir hoffen aber, dass er uns als Gesicht dieses Teams in irgendeiner Funktion erhalten bleibt. Es wäre nicht leicht, sportlich und menschlich auf ihn zu verzichten“, weiß Stefan Klein, der anders als in der Vorsaison in der Winterpause nicht fest mit Neuzugängen plant. „Wir brauchen nicht mehr Breite im Kader, sondern wenn, dann Spieler, die uns punktuell weiterhelfen“, findet auch Ruf, der sein Team für die 15 verbleibenden Spiele in die Pflicht nimmt: „Ich appelliere an den sportlichen Anspruch jedes einzelnen an sich selbst. Wir wollen zeigen, dass wir es besser können und konkurrenzfähig sind. Keiner setzt mehr auf uns, wir können frei von Druck aufspielen, müssen aber auch die Anspannung beibehalten.“ Als Lichtblicke bezeichnet der OFV-Coach die baldige Rückkehr der Langzeitverletzten Luca Kehl, Moritz Bandle und Louis Beiser-Biegert.

(Quelle: Mittelbadische Presse, Bild mit freundlicher Genehmigung: M. Schwitzkowski)

 

« zurück