Chronik eines Kontrollverlusts...
Für den Offenburger FV begann das vergangene Verbandsliga-Fußballjahr mit einer Reihe von Entwicklungen, die mehr Fragen aufwerfen als beantworten. Zunächst verlor der Verein mit Kareem Al Yahya seinen torgefährlichsten Offensivspieler sowie Spielmacher Roman Angot an den SV Linx – ein doppelter Aderlass, der intern offenbar nicht überraschend kam, aber öffentlich kaum erklärt wurde...
Kurz darauf folgte die nächste Irritation: Trainer Sascha Ruf kündigte an, seinen Vertrag aufgrund einer unklaren sportlichen Perspektive nicht verlängern zu wollen. Nur wenige Tage später trennte sich der Verein vorzeitig von ihm – offiziell „im gegenseitigen Einvernehmen“. Doch der abrupte Zeitpunkt und die fehlende Transparenz lassen Zweifel an dieser Darstellung aufkommen. Hinter den Kulissen soll es schon länger unterschiedliche Auffassungen über sportliche Ausrichtung, Kaderplanung und Verantwortlichkeiten gegeben haben. Dass die Verantwortlichen die Zusammenarbeit nach zweieinhalb Jahren mitten in einer sensiblen Phase beendeten, deutet eher auf strukturelle Spannungen hin als auf eine harmonische Trennung. Eine klare Erklärung blieb der Verein bislang schuldig.
Der bisherige Jugendtrainer Michael Kovacs übernahm in dieser Phase ein Amt, das kaum noch jemand haben wollte – mit lediglich zwei Punkten Abstand zur Abstiegszone und einem Kader, der bereits sichtbar verunsichert war. Intern war man sich bewusst, dass Kovacs vor einer nahezu unlösbaren Aufgabe stand. Dennoch wurde öffentlich der Eindruck vermittelt, man könne den freien Fall stoppen.
Am 10. Mai folgte die ernüchternde Bestätigung: Der Offenburger FV konnte den Absturz nicht mehr aufhalten und musste nach dem zweiten Abstieg in Folge den Gang in die Landesliga antreten. Ein „unvorstellbares Szenario“, wie Kovacs später einräumte. Doch die Frage drängt sich auf, wie unvorstellbar dieses Szenario tatsächlich war – oder ob es nicht vielmehr das Ergebnis struktureller Versäumnisse, fehlender strategischer Planung und einer Führung war, die Warnsignale zu lange ignorierte.
Trainer Michael Kovacs stand nach dem Abstieg vor einer Herkulesaufgabe: Er musste praktisch über Nacht eine komplett neue Mannschaft formen. 16 Abgänge – darunter erfahrene Leistungsträger ebenso wie einstige Hoffnungsträger – standen 16 Neuzugängen gegenüber, viele davon aus der eigenen Jugend. Ein radikaler Umbruch, der weniger nach langfristigem Konzept als nach akutem Notfallmanagement wirkte.
Doch die sportliche Baustelle war nicht die einzige, die sich auftat. Auch strukturell geriet der Verein ins Wanken. Eine Mitgliederversammlung, die monatelang auf sich warten ließ, brachte schließlich eine teilweise Neuaufstellung der Führungsriege. Der damalige Sportvorstand trat zurück, offiziell aus persönlichen Gründen. Eine neue Person übernahm seine Position. Hinter den Kulissen war jedoch zu hören, dass die Verzögerung der Versammlung und der Führungswechsel Ausdruck tieferer Spannungen waren – und dass der Verein längst nicht so geschlossen agierte, wie es nach außen dargestellt wurde.
Zur Ruhe kommt der Verein jedoch weiterhin nicht. Sportlich bleibt die Lage angespannt: Die junge, unerfahrene Mannschaft zeigt in der Landesliga zwar Ansätze, aber keine nachhaltige Stabilität. Die Ergebnisse schwanken, klare Entwicklungslinien sind schwer zu erkennen. Wieder einmal trennen den OFV lediglich zwei Punkte von einem möglichen Abstiegsplatz – ein alarmierendes Déjà-vu, das die Verantwortlichen nur ungern kommentieren.
Dass der Verein nach einem doppelten Abstieg und einem radikalen personellen Umbruch erneut im Tabellenkeller feststeckt, wirft unweigerlich Fragen auf: Wurde der Kader realistisch eingeschätzt? Gibt es ein tragfähiges sportliches Konzept? Oder wiederholt sich schlicht ein Muster aus kurzfristigen Entscheidungen und fehlender strategischer Führung?
Auch in der Winterpause kommt der Offenburger FV nicht zur Stabilisierung – im Gegenteil. Mit Konstantinos Mangoufis verliert der Verein den nächsten Spieler, der zu seinem Heimatverein SV Hausach zurückkehrt. Offiziell fällt der Abgang kaum ins Gewicht, da Mangoufis zuletzt nicht mehr im Aufgebot stand. Doch intern wird der Schritt durchaus als Signal gewertet: Spieler, die sich perspektivlos fühlen, suchen offenbar lieber das Weite, als Teil eines ohnehin fragilen Projekts zu bleiben.
Kurz darauf folgt der nächste Abgang: Agon Zukaj verlässt den OFV und schließt sich erneut seinem früheren Klub in Kehl an. Auch hier bleibt die offizielle Kommunikation nüchtern, doch die Häufung solcher Rückkehrer wirft Fragen auf. Warum gelingt es dem Verein nicht, Spieler zu halten, die man zuvor als Bausteine für den Neuaufbau präsentiert hatte? Und wie belastbar ist ein Kader, der sich selbst in der Winterpause weiter ausdünnt?.
Alle Testspiele auf einen Blick
- offen – Trainingsauftakt im Karl-Heitz-Stadion
- 07. Februar – FC Ettenheim-Altdorf (geplant/Offenburg)
- 11. Februar – TuS Oppenau (geplant/Oppenau)
- 14. Februar – Bahlinger SC/U23 (geplant/Offenburg)